Archiv für den Autor: sam2606

München ist bunt: #schneegida 2016

Endlich zeigt sich der Winter von seiner winterlichen Seite – es schneit. Auf der Wiese zwischen Alter Pinakothek und der HFF sorgen allerdings drei zusätzliche Schneekanonen für reichlich Neuschnee:

Bunte Kunst in der Maxvorstadt

Der Künstler Philipp Messner hat dem Wasser der Schneekanonen Lebensmittelfarbe hinzugefügt, um so ein “Performatives, skulpturales Happening” zu erschaffen.

Regenbogenschnee

Hoher Besuch in Schwabing!?

Eigentlich wollte ich hier nur eine Sammlung von Fotos machen, die ich vom Olympiaturm aus geschossen hatte. Beim Bearbeiten der Bilder fiel mir allerdings ein Detail auf, dass wohl die gesamte Weltöffentlichkeit interessieren wird.

Seit Wochen schon fehlt vom russischen Machthaber Wladimir Putin jede Spur. Mitten im Kleingartenverein am Olympiaturm, nördlich der Neubausiedlung am Ackermannbogen, sah ich bei genauerem Hinschauen einen Mann zu Pferd, der eine frappierende Ähnlichkeit zu Wladimir Putin hat:

Die Kleingartensiedlung am Ackermannbogen hat einen prominenten Besucher

#WhereIsPutin

Vergrößerter Ausschnitt

Ob der Mann nun tatsächlich der gesuchte Politiker ist, weiß ich nicht, die anderen Eindrücke gibt’s dann im nächsten Beitrag.

Meine erste Filmkritik

Am gestrigen Samstag Nachmittag entschied ich mich, meine Langeweile mit einem Kinobesuch zu bekämpfen. Wie ich erfahren hatte, sollte an diesem Tag ein Film über Machtspiele und BDSM in die Kinos kommen. Als Single am Valentinstag hatte ich eh schon geplant, etwas in dieser Art zu schauen. Also entschied ich mich, ein Kino zu suchen, in dem ich den Film sehen konnte.
Doch an der Kasse des ersten Lichtspielhauses wurde ich enttäuscht – der Film sei ausverkauft. Auch in anderen Kinos hatte ich keinen Erfolg. Als ich fast schon aufgeben wollte, sah ich beim Vorbeilaufen in meiner Stammkneipe bunte Bilder über die Leinwand fliegen.

So in etwa sieht das Filmplakat aus

Ich blieb stehen und erkannte, dass es sich tatsächlich um den gesuchten Film handeln musste. Der Protagonist hatte sein “Opfer”, so wie es die Filmbeschreibung auch ankündigte, bereits bei sich zu Hause und nutzte all seine Macht und sein Geld, um es zu dominieren und zu demütigen. Also setzte ich mich in die Kneipe, bestellte einen Ingwertee und ließ die verstörenden Bilder auf mich wirken.
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Die ungeliebte Arbeit

Morgens um fünf Uhr, wenn die bitterkalte Winternacht unsere Welt noch fest im Griff hat, sind U-Bahnhöfe ein wahrer Melting Pot. Die letzten Nachtschwärmer überlassen mehr und mehr den Frühaufstehern das Feld, der Geruch von Schweiß und Alkohol weicht den oft nicht weniger penetranten Duftwolken von Deodorant und Rasierwasser.

Zu den Frühaufstehern gesellt sich an diesem Donnerstag Morgen auch eine Gruppe von drei Fahrgastzählern, deren Aufgabe es ist, die Anzahl der Personen in den ersten U-Bahnen des Tages zu ermitteln. Sie sitzen auf einer Bank im U-Bahnhof Messestadt West. Sobald sich eine stadteinwärtige Bahn ankündigt, verteilen sie sich über den Bahnsteig und zählen die ihnen zugeteilten Wagen des Zuges.

Eine U6 verlässt den Schwabinger U-Bahnhof Münchner Freiheit

Schon bald fällt ihnen ein etwa dreißigjähriger Mann auf, der von einer langen und wohl alkoholbestimmten Nacht gezeichnet ist. Er hockt auf einer der Sitzbänke und gönnt sich eine weitere Flasche Augustiner. Sein Hemd ist durchgeschwitzt, der glasige Blick ist stur an die Betonwände der Station gerichtet.
Mehrere U-Bahnen fahren vorbei, doch der Mann macht keine Anstalten, einsteigen zu wollen.

Gegen halb sechs Uhr kommt Bewegung in diese Szenerie. Eine weitere Bahn fährt ein, die Fahrgastzähler begeben sich auf ihre Positionen. Eine von ihnen, sie ist angehende Lehrerin, stellt sich hierzu einige Meter neben den Betrunkenen und notiert die Anzahl der Fahrgäste auf einem Blatt Papier.
In diesem Moment stößt der unbeholfene Mann die vor ihm auf dem Boden stehende Bierflasche um, der süßlich riechende Inhalt verteilt sich über den Bahnsteig. Davon verständlicherweise verärgert greift er die nun fast leere Flasche und murmelt “Böses Bier!”
Diese Zurechtweisung der eigentlich unschuldigen Bierflasche reicht ihm jedoch nicht an Bestrafung. Er wirft sie mit all seiner Kraft gegen die abfahrende U-Bahn. Nur knapp verfehlt er dabei die Fahrgastzählerin.

Überrascht und verunsichert von diesem Wutausbruch treffen sich die drei Zähler wieder an der angestammten Position in der Mitte vom Bahnsteig. Sie beraten sich, wie mit der Situation am besten umzugehen sei. Gerade als das Team die Entscheidung fällt, die U-Bahn-Wache zu verständigen, scheint sich die Problematik von selbst zu lösen. Zwei Männer mit Uniformen einer privaten Sicherheitsfirma nähern sich dem Betrunkenen und sprechen ihn an. Was gesprochen wird können die drei nicht verstehen, doch der Mann scheint einsichtig.

Erleichtert begeben sich die angehende Lehrerin und einer ihrer Kollegen, ein mittelmäßiger Blogger, an die Oberfläche, um eine Zigarette zu rauchen. Noch während die beiden das eben Erlebte diskutieren, sehen sie den Trunkenbold in Begleitung der beiden Security Mitarbeiter die Rolltreppe herauffahren. Er hat trotz der Hilfe seiner neuen Begleiter massive Probleme, sich auf den Beinen zu halten. Oben angekommen bleibt das Trio in der Nähe der beiden Fahrgastzähler stehen und ermöglicht ihnen so, folgenden Dialog mitanzuhören:

Security

“Sag mal, spinnst du komplett? Wir haben in 30 Minuten Dienstbeginn!”

Betrunkener

“Gott, ich hasse es, als Messe-Security zu arbeiten. So ein Scheißjob!
[kurze Pause] Ach was soll’s! Ich hol’ mir noch zwei Bier, dann können wir anfangen.”

Blau in weiß

Der Schneefall und die kalten Temperaturen der letzten Tage haben München und große Teile von Deutschland mit einer frischen weißen Schneedecke versehen. Warm eingepackt habe ich mich dann heute auf den Weg gemacht, um ein paar blaue Akzente mit weißem Hinter- und Untergrund zu fotografieren. Da der Himmel nicht blau sondern grau war, mussten als blauer Kontrast meine geliebten Straßenbahnen herhalten. Dazu ging es erstmal vor die Haustür, um die Lage zu checken und meine Kamera an die kalte Luft zu gewöhnen:

R2.2 in der Hohenzollernstraße

Nach erfolgreicher Generalprobe ging es zur Strecke der Linie 23, welche die Münchner Freiheit mit der Parkstadt Schwabing verbindet und vor einigen Wochen ihr fünfjähriges Bestehen feierte. Zwischen der Baustelle auf dem ehemaligen Metro-Gelände und der Endstation Schwabing Nord verfügt die Strecke über eigenes Rasengleis.

Redesign R2 2160 begegnet dem Wagen 2113
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#schneegida – Warum ich Twitter mag

Der Verein “Pegida” ist momentan in aller Munde. Und auch wenn ich mir wenig ekelhafteres in meinem Mund vorstellen kann, so bin ich doch froh, dass sich auf die verschiedensten Arten Widerstand gegen diesen Haufen formt. So heißt beispielsweise das Bündnis Bellevue di Monaco explizit Flüchtlinge jeglicher Herkunft und Religion in München willkommen. 12 000 Münchner beteiligten sich an deren Kundgebung.

Erschreckenderweise finden jedoch auch die verhetzenden Parolen der “Pegida” eine nicht für möglich gehaltene Unterstützung in einigen Teilen der Bevölkerung. Besonders pervers ist die Tatsache, dass die Unterstützung für “Pegida” gerade dort am größten ist, wo der Anteil von Muslimen am geringsten ist.

Initiatoren wie Mitläufer der “Pegida” behaupten von sich, keine Nazis zu sein. Doch die Aussagen der Leute lassen diese Behauptung oft genug ins Wanken geraten (Ich bin ja nicht rechts, aber,…).

Umso wundervoller ist der Hashtag #schneegida, der jetzt während des ersten richtigen Schneefalls des Jahres auf Twitter die Runde macht und die fremdenfeindlichen Aussagen der selbsternannten Patrioten auf wunderschöne Art und Weise demaskiert.

Zur Erleichterung vieler #schneegida-Anhänger nimmt sich nun auch die Lügenpresse des Themas an.

All diese schönen Parodien auf das unsägliche Geschwafel der “Pegida” werden keine Lösung für das Problem Fremdenhass sein, aber sie zeigen doch, dass die Mehrheit der Menschen nicht so einfach auf die Parolen der Rechtsextremen reinfällt.

Zugkraft

Wenn man in einen Zug steigt, dann hat man ein Ziel, das er erreichen möchte. Dafür begibt man sich in einen Wartesaal auf Rädern. Eine Zugfahrt ist Stillstand: Der Bewegungsraum ist eingeschränkt, man ist die meiste Zeit eingesperrt und auf Privatsphäre muss man Großteils verzichten. Am Bahnhof entscheidet man sich für eine Richtung, ab dann liegt das Vorankommen nicht mehr in der eigenen Hand. Denn bis man ankommt, darf und muss man warten. Der Zug zwingt uns mit all seiner Kraft in die Richtung unseres Ziels. Der genaue Weg spielt für uns hierbei überhaupt keine Rolle.

Farbige Zeichnung von einem ALEX Zug
Wenn man zu schönen Orten oder lieben Menschen fährt, dann rollt man langsam aber sicher seinem Ziel entgegen… wir können in diesem abgeschlossenen Raum, in dieser festgelegten Zeit machen, was wir möchten. Ob wir die Zeit nutzen oder nicht, ist unerheblich für die Frage, wann wir ankommen. Wir können vor bis in den ersten Wagen rennen, doch mehr auch nicht. Im Zweifel werden wir am Ziel auch noch feststellen, dass der Ausgang am hinteren Ende des Zuges ist.

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Zu Fuß ins Alpenvorland

Eine Patchwork-Kurzgeschichte von Lena Krupicka (kursive Textabschnitte) und mir.

Für das Wochenende sind deutlich zweistellige Temperaturen angekündigt, der Oktober zeigt sich nochmal von seiner warmen und sonnigen Seite. So beschließen er und eine Freundin, am Sonntag eine Wanderung durch das Isartal zu machen. Der Startpunkt ist schnell gefunden, die Isarbrücke bei Grünwald. Über ein mögliches Ziel haben sie sich keine weiteren Gedanken gemacht.
Der Nebel lässt noch alles in einem feuchten Grau verschwinden, als er sich um sieben Uhr morgens auf den Weg zur Bahn macht. Die S-Bahn ist leer, nur wenige Menschen sind um diese Uhrzeit unterwegs. Er erreicht nach zwanzig Minuten Fahrt die Station Höllriegelskreuth, den geplanten Treffpunkt. Doch von seiner Begleiterin ist nichts zu sehen.

Sie schält sich aus der Bettdecke, gut geträumt hat sie nicht. Irgendwie bereitet ihr der kommende Tag Sorgen, sie musste beim gleichen Vorhaben vor ein paar Tagen umkehren. Es war zu nass und kalt gewesen. Sie hatte, naiv wie sie war, keine regendichte Kleidung mitgenommen. Hastig zieht sie sich an. Sie will ihren Begleiter nicht warten lassen.
Als sie erstmals die Füße vor die Tür setzt, beruhigt sich ihr negatives Bauchgefühl wieder. Die Luft ist frisch und angenehm, Die Klamottenschichten halten sie warm. Zügig führen ihre Schritte zum Bahnhof. Ungewöhnlich viele Menschen für einen Sonntagmorgen. Das schlechte Gefühl von vorhin meldet sich wieder: irgendetwas stimmt hier nicht. Sie steigt die Stufen zum Bahnsteig hinauf, schaut auf die Anzeigetafel: Zwei S-Bahnen fallen aus, die nächste kommt in vierzig Minuten. Murmelnd erzählt eine wartende Frau, dass sie schon seit einer Stunde hier stünde, die angekündigten S-Bahnen fallen immer wieder aus. Zwei Menschen mit Koffern rufen gerade ein Taxi. Sie verflucht sich, dass sie ihr Handy zuhause hat liegen lassen. So kann sie ihren Begleiter nicht kontaktieren. Es muss irgendwo bei ihrem Bett verschollen sein. Sie hatte nicht mehr die Zeit gehabt es zu suchen.

Das Grundgerüst ist erhalten, den Rest hat sich die Natur geholt.

Es ist kalt auf dem Bahnsteig in Höllriegelskreuth. Links ist der Bahnhofsvorplatz, der diesen Namen im Grunde nicht verdient hat, rechts liegen die ausgedehnten Gebäude eines großen Chemiekonzerns. Da seine Begleiterin auch auf ihrem Handy nicht erreichbar ist, besinnt er sich auf die Strategien aus der Zeit vor Erfindung des Handys. Er studiert den Fahrplan und sieht, dass er der nächsten S-Bahn eine Station entgegen fahren kann. So erspart er sich das Warten an diesem trostlosen S-Bahnhof. Weiterlesen

Größere Straßenbahnen zwischen der Innenstadt und Schwabing

Bei Rollstuhlfahrern und Kinderwagenschiebern sind sie unbeliebt, für Nostalgiker und Straßenbahnfreunde eine Freude – die alten Hochflur-Trambahnen vom Typ P. Seit heute sind sie auf der Linie 28 zu finden, diese verbindet Schwabing mit der Maxvorstadt und dem Stadtzentrum. Der Vorteil dieser Züge ist vor allem das erhöhte Platzangebot, welches auf der stark frequentierten Verbindung zusätzliche Kapazitäten schaffen.

P-Wagen 2010 überquert die Gleiskreuzung am Schwabinger Kurfürstenplatz

Mobilitätseingeschränkte Fahrgäste müssen aber nicht lange auf den nächsten Niederflurwagen warten. In der Belgradstraße zwischen Scheidplatz und Kürfürstenplatz befährt die Linie 12 den selben Streckenabschnitt. Der weitere Verlauf durch Nordend- und Barerstraße bis Sendlinger Tor wird zusätzlich von der Linie 27 bedient.

P-Wagen 2005 im goldenen Herbstlicht

Der fast 50 Jahre alte Wagen in der Novembersonne am Elisabethplatz in Schwabing

Der Straßenbahn-Blogger Daniel stellt auf seiner Seite Tramgeschichten extra für den Einsatz der P-Wägen einen Fahrplan zur Verfügung: Download (PDF, 264 KB)

Aus dem Tagebuch eines Straßenbahnwagens

Ich bin eine dreiteilige Straßenbahn von AEG/Adtranz und wurde am 30. August 1996 nach München gebracht. Dort bekam ich meinen Namen, die Wagennummer 2146. Alle waren stolz auf mich und meine 69 Schwestern, wir waren die ersten komplett niederflurigen Fahrzeuge in München. Seit Beginn meines Daseins bin ich nun fast 970 000 Kilometer durch München gefahren. Obwohl ich dieses Jahr erst 18 Jahre alt werde, habe ich schon viel erlebt. Ich kenne alle Linien der Stadt auswendig, ich habe gesehen, wie sich das Stadtbild um mich herum verändert hat.

Die Trambahn der MVG wurde 1996 nach München geliefert.

Das bin ich, Wagen 2146, bei der Fahrt durch die Hohenzollernstraße in Schwabing

Um Euch den Alltag einer Straßenbahn zu zeigen, habe ich mal zusammengefasst, was in 24 Stunden auf Münchens Schienen so alles passiert:

 

25. Juli 2014

5:22 Uhr

Nach ein paar ruhigen Stunden im Betriebshof werde ich von einem müden und etwas mürrischen Fahrer geweckt. Er testet mich auf Herz und Nieren. Jemand sollte ihm mal sagen, dass ich erst ein paar Stunden zuvor für eine Routinekontrolle in der Werkstatt war.

5:40 Uhr

Ich werde langsam aus dem Betriebshof gefahren. Mein Fahrer hat mir die Kursnummer 27-23 gegeben, also werde ich heute zwischen Petuelring und dem Sendlinger Tor pendeln. Das ist keine besonders spannende Linie, aber welche Linie ist schon spannend, wenn man jeden Meter Strecke auswendig kennt.

5:46 Uhr

Als ich den Max-Weber-Platz erreiche, wird das Maximilianeum von den ersten Sonnenstrahlen beleuchtet. Den ersten Fahrgästen ist das egal, sie trinken stumm den ersten Kaffee des Tages. In Gedanken scheinen die meisten schon im Wochenende zu sein.

5:56 Uhr

Der erste Ärger des Tages lässt nicht lange auf sich warten. Eine Dame erkennt viel zu spät, dass ich keine 19er Tram bin und schüttet in ihrer Hektik die Hälfte ihres Latte Macchiato auf das Sitzpolster neben sich. Dieses süße Zeug klebt furchtbar in den Stoffbezügen der Sitze.

5:57 Uhr

Das Karma lässt nur ein paar Sekunden auf sich warten. Die Dame läuft ohne zu schauen über die Gleise und schreckt vor einer wild klingelnden Variobahn zurück. Dabei verschüttet sie die übriggebliebene Hälfte Ihres Kaffees, diesmal direkt über ihre Bluse. Ich würde das gerne weiter beobachten, aber mein Fahrer fährt mit mir unbeirrt Richtung Schwabing.
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